Es war einmal in Mecklenburg… 18. Jahrhundert

Man braucht schon etwas Geduld, bis es endlich schneit. Dann aber liegt der Schnee gleich so hoch, dass die Bäume fast bis zu den Kronen darin versinken. So jedenfalls stellt man sich die weiten Landstriche Mecklenburgs im Winter vor, wenn man über die A20 rauscht und eine Zeitlang aus dem Fenster schaut.

Mecklenburg ist eine wahre Fundgrube für Liebhaber traumhaft schöner Natur und nicht enden wollender Strände. Sattgrüne Umgebung und spannende Nationalparks wechseln sich ab mit glasklaren Seen und anmutigen Städten.  Die Dosis Ostsee mit frischer, salziger Meeresluft, langen Strandpromenaden und einem endlosen Mix aus Meer und Himmel, gibt’s umsonst dazu.

1725 wurde bei Boydwinesdorf  (Boiensdorf), nicht weit vom Boiensdorfer Werder und dem Salzhaff, Jasper Heibein (Heidtbein) geboren.
Wo man heute surfen, wandern oder einfach nur die Seele baumeln lassen kann, standen vor 300 Jahren weitläufig verteilt Bauern- und Fischerhütten. Man sah die Uferwiesen, wo die Fischer ihre Reusen trockneten oder immer mal wieder mit ihren Pferdekarren von Dorf zu Dorf zogen um ihre geräucherten, gesalzenen oder getrockneten Fische an den Mann zu bringen. Es war ein typisches Landleben, wo man von der Hand in den Mund lebte.
Wenn man nicht Fischer war, bot man seine Arbeitskraft als Tagelöhner auf den umliegenden Höfen an. Wenn man Glück hatte, wurde man für ein ganzes Jahr angestellt – und konnte seine Familie ernähren und Sonntags Tee und Kartoffeln auf den Familientisch zaubern.
Die unruhigen Kriegsjahrhunderte hatten in Mecklenburg ihre Spuren hinterlassen. Armut wurde auch unter der großherzoglichen Regentschaft von Karl Leopold nicht gemindert. Die Bauern waren arm und das Leben sehr beschwerlich.

Jasper war nun einige Tage alt und musste schleunigst getauft werden. Sein Vater Wilhelm hatte, als bekannt wurde, dass das Eheweib sein Kind unter dem Herzen trug, die Schillinge für die Drevenskirchener Pfarre zurück gelegt.
Ein Korb mit Kartoffeln und einigen Eiern rundeten die Pfarrgabe ab, und so brachte er alles zusammen in die alte Pfarre und sicherte sich einen baldigen Taufplatz für seinen Sprössling.
Jasper wuchs im rauen Schoß seiner Familie zu einem stattlichen Kerl heran. Sein Vater arbeitete hart, und so kümmerte sich seine Mutter über Tag um ihn und seine Geschwister. Als er älter wurde, nahm Wilhelm ihn oft zur Heuernte auf die umliegende Höfe mit, so das ein kleiner Extraverdienst durch den Jungen der Familie zur Gute kam.

Als Jasper 20 Jahre wurde, verließ er die bescheidene elterliche Wohnkammer und suchte im Inland nach Arbeit.
In Zarnekow fand er bei einem Bauern eine Saisonarbeit, bekam 10 Schillinge am Tag und heiratete 1746 seine erste Frau. Insgesamt war er vier Mal verheiratet, zeugte 12 Kinder, arbeitete um Neuburg (bei Wismar) sein ganzen Leben als Tagelöhner und starb im sehr hohen Alter von 83 Jahren in Kartlow.
Viele seiner Kinder und drei Ehefrauen hatte er überlebt.

Jasper ist meine Lieblingsfigur unter all den Ahnen und mein 6facher Urgroßvater. Durch die intensive Recherche seiner Lebensjahre habe ich mir die Mecklenburger Geschichte zum ersten Mal genauer angesehen und las mich durch drei Jahrhunderte hindurch. Unter anderem habe ich viele interessante Bücher bei Google Books gefunden und konnte mit den, manchmal sehr alten, Büchern die altdeutsche Schrift wieder auffrischen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s