Es war einmal in Mecklenburg… 19. Jahrhundert

Die erste Assoziation zur Ostsee ist für mich Freiheit. Allein schon den ersten Schritt mit dem nackten Fuß auf den Sand zu machen, zwischen den Zehen die warme, feinkörnige Wohltat zu spüren, beflügelt sofort dazu, alle Kleidungsstücke und Alltagssorgen abzulegen, spontan in einen Genusstaumel zu geraten und freudig ins Wasser zu springen.

Im letzten Sommer saß ich einige Heimaturlaubsabende pünktlich zum Sonnenuntergang am Strand und träumte vor mich hin.
Dieses Gefühl von Sehnsucht – in die Welt zu schippern und die Weite hinter dem Horizont zu erkunden – findet man auch oft von Seemännern besungen. Ob auch meine Ahnen an so manchen See-Abenden diese Sehnsucht verspürten?

Durch die beschwerlichen Lebensbedingungen in Mecklenburg mussten meine Ahnen, zumindest in der Region, der Arbeit hinter her schippern und waren knapp 140 Jahre nach der Geburt von Jasper immer noch im Neuburger Raum angesiedelt.
Bis zur Geburt von Jaspers Urenkel Johann, lebten sie ein gesellschaftlich angesehenes Leben in ihren kleinen Gemeinden.
Johann Heinrich Ludwig Heibein, der Vater der 14 Personen aus dem Fotokoffer meines Vaters und mein Ururgroßvater, war laut Zeitzeugen-Erzählungen ein sehr strenger Mann. Den Rohrstock immer griffbereit, erzog er seine 14 Kinder mit herrischer Hand. Ob er selbst durch seinen Vater, Friedrich Heibein, der als Soldat in den Feldzügen gegen Österreich und Frankreich kämpfte, durch harte Erziehung geprägt wurde, lässt zu mindestens Spekulationen zu.

Friedrich sah vor dem Krieg nichts anderes als die Mecklenburger Landstreifen und das offene Meer – und durch die Kriege plötzlich ganz andere Kulturen. Wie ihn wohl die Berge beeindruckt haben müssen oder das kulturelle Leben in Paris? Friedrichs kleine Welt wird sich gravierend in den Kriegsjahren verändert haben… Sicherlich dachte er auch an seine Onkel und Cousins, die bereits vor dem Österreich-Krieg Mecklenburg verließen, um in die neue Welt auszuwandern. Vielleicht hatte er in seinen jungen Jahren an einem Strandabend vom Auswandern geträumt und sich vorgestellt, dass Amerika gleich hinter dem roten Horizont erscheinen würde.

Nach den Kriegen war Friedrich jedenfalls nicht mehr der Gleiche, als er in die kleinen, zeitlosen Gemeinden um Neuburg zurück kehrte. Ob er noch an die Großherzogliche Regierung glaubte?

Johann brach mit der jahrhundertelangen ärmlichen Lebensführung der Heibein’s – er wollte frei sein und das im wahrsten Sinne des Wortes!

Schreiben Sie einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Wechseln )

Verbinde mit %s