Es war einmal in Mecklenburg… 20. Jahrhundert Teil 1

Erinnerungen zusammengefasst in einem alten Koffer – die vergessene Welt.

Jede Geschichte beginnt mit einer Hauptperson. Jedoch passen in dieser Geschichte recht viele in die Hauptrolle. Sie sind in meinem Phantasiepalast junge Menschen ohne Sorgen- und Altersfalten, mit stolzer Haltung und hoffnungsvollen Gesichtern. Sie schreiten unbekümmert, – eingehakt in einer Reihe – unzertrennlich und unwissend in die bevorstehenden Jahre mit Weltkriegen, Verfolgung, Flucht, Trennung durch zwei deutsche Staaten und enormer Distanz aufgrund der Kontinente. Und doch waren sie durch ihre Liebe füreinander auf ewig bis zum Schluss verbunden.

Angefangen hatte meine Reise in die Welt der Ahnenforschung mit einem alten Fotokoffer meines Vaters. (Ein alter Koffer in Rostock)

Meine Ahnen
Oben: Elise 1933 (die Mutter der 14 Geschwister), mein Vater 1959, Gretel und ihr Mann 1936, Alexandra 1928 Unten: Ella, Herta, Elsie, Alexandra 1961, Hochzeit von Alexandra 1944, Karl Lichtenstädter 1937

Ich habe sehr viel über die Personen aus diesem Fotokoffer recherchiert, in meinen Erinnerungen gewühlt und mit meinem Vater unzählige Gespräche geführt.
Die zusammengetragenen Informationen bestehen aus etlichen Notizen, Fotos und Online-Dokumenten. Die Ergebnisse verblüffen, und gleichzeitig schenken sie melancholische Momente und den Wunsch, einmal in eine Zeitmaschine zu steigen und jeden einzelnen zu umarmen.
Am Anfang dieser Reise steht jedoch mein Vater (dieser Artikel ist eine Hommage an ihn) – der Mensch, der für mich wie kein anderer ist.
Mein Vater ist eine bunte Mischung aus Che Guevara, Fred Astaire, Freddy Quinn und Louis de Funes – die auch nur grob widerspiegelt, was mein Vater für mich darstellt und mir bedeutet. Er hat mir einen freien Geist ermöglicht, den Weg für ein erfüllendes Leben gezeigt, mir den Spiegel vors Gesicht gehalten und mich die Bedeutung von Liebe begreifen lassen… Ich liebe ihn über die Maßen – und jede einzelne Person in unserer Ahnenreihe, die bis zum Tag seiner Geburt geliebt und gelebt hat. Mein Vater ist die Summe von allem Sein bei der Frage: „Wer bin ich“.
Aber zurück zu den Personen aus dem Fotokoffer.
Ich hatte bereits über Johann Heibein – meinem Ururgroßvater – berichtet, der Barbier aus Schwerin. Er hatte mit Elise 14 Kinder, die alle zwischen 1893 und 1916 geboren wurden (Es war einmal in Mecklenburg… 19. Jahrhundert Teil 2).
Anni – die mysteriöse Älteste der 14 Geschwister, deren Verbleib in Hamburg unbekannt ist – war die erste Person, die in den Jahren des 1. Weltkriegs nach Rostock zog. Hier verlor sie ihr einziges Kind, das gerade einmal zwei Monate alt war. 1919 fand sie eine Anstellung bei Daniel Permin (Betreiber des ersten Kinos vor Ort) als Zimmermädchen im Hotel „Großherzog“ in Doberan.
Dadurch, dass Anni mit im Kino arbeitete, kam sie in den Genuss damaliger Stummfilme, wie Nosferatu (Kulissen in Wismar und Lübeck), Tartüff und Tramp (Chaplin).
Ihre jüngere Schwester Gretel (geboren 1903) besuchte sie öfter und fand durch die Kinofilme zum Schauspielberuf.
Es ist unklar, wer wen nach Hamburg nachholte, aber vermutlich ging Gretel zuerst, um am Schauspielhaus zu arbeiten.

Das letzte Lebenszeichen von Anni ist eine alte Hamburger Postkarte aus dem Jahre 1942 (an ihre Schwester Else)…Hamburg Postkarte
Fortsetzung in Es war einmal in Mecklenburg… 20. Jahrhundert Teil 2 folgt.

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