Es war einmal in Mecklenburg… 20. Jahrhundert Teil 3

Kennt ihr das, wenn man gedankenverloren im Alltag plötzlich einen Duft wahrnimmt, der an eine längst vergangene Zeit erinnert? An eine Zeit, die einem sofort das Herz erwärmen lässt… und dann ist dieser Duft verflogen und man hängt noch einen Augenblick in den Erinnerungen fest.

Ich erinnere mich sehr gerne an meine Urgroßtante. Sie war so wunderschön, liebevoll und lebensfroh. Sie war sehr musikalisch und hatte einen gestörten Wellensittich, der zum Geburtstag immer Eierlikör bekam und herrlich rumfluchen konnte. Überhaupt sah er mit seinem Klumpfuß wie ein kleiner Pirat aus. Er wurde stolze 14 Jahre alt!

Alexandra Heibein (Oma Ali) wurde 1914 in Schwerin geboren und bei ihrer Taufe von einer berühmten Patentante in die Gemeinde der Christen begleitet: Alexandra von Hannover und Cumberland, Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin.
Die Großherzogin übernahm die Patenschaft bei kinderreichen Familie in Mecklenburg-Schwerin, für jedes 7. Kind, das ein Mädchen war und den Namen Alexandra trug.

Früher habe ich immer gedacht, dass diese Geschichte ein Mythos ist, aber durch die Ahnenforschung konnte ich den Taufeintrag mit der Großherzogin finden.
Schwerin war schon immer meine zweite Heimat, aber seit dem sehe ich das Schloss mit anderen Augen an  – ganz und gar nicht mit irgendeiner Art von albernem Stolz, sondern mit tiefer Verbundenheit – es ist eh das schönste Schloss im Norden.

Alexandra ist mit knapp 5 Jahren durch den Umzug der Familie nach Rostock gekommen.
Die Konfirmation fand trotz allem in Schwerin statt.

Konfirmation 1928 Schwerin

Mit 19 Jahren bekam sie ihren Sohn Joachim – mit 21 Jahren verlor sie ihn wieder. Sie war drei Mal verheiratet und blieb kinderlos.

Ab 1945, und innerhalb von zwei Jahren, verstarben ihre Schwestern Henriette (meine Urgroßmutter) und Elisabeth, ihre Mutter, sowie ihr Vater.
Zurück blieb ein Leben in der DDR – mit ihren Schwestern Ella und Else. Die restlichen Geschwister lebten wie vom Winde verweht: Friedrich in Hannover, Bernhard in Köln, Gretel in München und Herta in New York.

In den 1950’er Jahren zog Alexandra meinen Vater auf, als er mit 5 Jahren zu ihr kam. Ihre Schwester Else hatte seine Mutter nach dem Krieg aufgezogen…

Hochzeit Alexandra und Herbert

Sie hatte einen harten Job in der Essigfabrik in Rostock und erkrankte an einer Atemwegserkrankung – 1987 verstarb sie an dieser Erkrankung.
All diese Schicksale hinderten Alexandra nie daran zu lächeln oder gar zu lachen. Sie war eine Frohnatur und gab all ihre Liebe an meinen Vater und mich weiter.

Ich vermisse sie… ❤

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. ruhland99 sagt:

    Auch wenn ich nicht mitreden kann (Eltern1911/13), eine „Eierlikörtante“ hatte ich auch. Und noch mit 18/20 habe ich die Omas mehr oder minder regelmäßig besucht. Es gab da früher eben mehr Famillensinn. Meine Oma legte mir auf den Weg: Kuemmere Dich um Deine Mütter!.o.k., ich tat.☺️

    Gefällt 1 Person

    1. … und sie hatten immer recht. Das diese Generationen alles erlebt und ausgehalten haben… Ich bewundere diese Generationen zu tiefst.
      Eierlikör und Pfefferminzschnaps (neuer), müsstest du ja eigentlich in Meck-Pomm an jeder Ecke angeboten bekommen… Das gute Gesöff der Alten 😀

      Gefällt 1 Person

      1. ruhland99 sagt:

        Danke Verehrteste! Noch bin ich von Eierlikör und Pfefferminzschnaps etwas entfernt.☺️Mit Whisky pur saufen sich heutzutage die Edelrentner zu Tode☺️Wer will da schon abseits stehen☺️Ich nicht!!☺️

        Gefällt 2 Personen

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