Urlaub für die Sinne 2021

Nach monatelanger Schreibabstinenz war es endlich Zeit: Der ersehnte Jahresurlaub stand vor der Tür! Ich liebe meine Arbeit und stehe mit voller Leidenschaft hinter ihr. Nur ist dieser Urlaub immer wieder die treibende Kraft und so vergehen die letzten Wochen davor wie im Schneckentempo, bis der Stift fällt und das Gehirn sich auf Sparmodus umstellt.

Gesehen habe ich so viel in dieser Welt, daher bin ich seit ein paar Jahren ziemlich reisemüde und lasse bei der Entscheidung meine Sinne bestimmen. Angezogen wie von einem Magneten, ist das Ziel dann immer wieder die Ostsee. Immer noch ohne Touristenprogramm, immer noch dicht am Menschen, ist es die Heimat selbst, die reizt und die die Neugierde füttert. Durch meine Ahnenforschungsreise ist die Ostsee zugleich ein spannendes Erkundungsgebiet.

Dieses Mal sollte es endlich die Reise wie das Motto auf der Startseite sein: Hedeby bis Rostock – In den Fußspuren meiner Namensträger, wie sie innerhalb von 1000 Jahren gewandert sind.
Wer meine Seite ein wenig verfolgt, weiß, dass mein Familienname Heibein von Hedeby abgewandelt ist – also von Haithabu, dem bedeutenden Wikingerdorf in Schleswig-Holstein. Der Besuch war dementsprechend sehr bedeutend für mich – und schon lange überfällig.

Der Besuch fand im August statt. Regnerisch und manchmal von Dunkelheit umgeben, brachen genau im richtigen Moment die Wolken auf und strahlten die gefühlsgeladenen Situationen aus – es war perfekt!

Dieses Aha-Erlebnis, dass mein Familienname von diesem wunderschönen Fleckchen Erde abstammt, ließ mein Herz beim Besuch höher schlagen. Erst wenn man vor Ort ist, begreift man, was man in den ganzen Jahren erforscht hat. Die Gedanken und das Herz galoppieren wild um die Wette und diese Erkenntnis, dass vor 1000 Jahren HIER (tolle Animation von Haithabu) Menschen gelebt haben, von denen man abstammt, ist nicht in Worte zu fassen.
Und so stand ich in tiefer Demut am Wasser und stellte mir vor, durch die Augen meiner Ahnen diese herrliche Gegend zu betrachten.
Auch wenn die Geschichte uns immer trocken vermitteln will, dass die Menschen in früherer Zeit rau und empathielos waren, so kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Menschen damals diesen Ort, in dieser unbeschreiblich schönen Natur, nicht geliebt haben. Das dieser Ort nicht künstlerische, gar friedlichere Lebensfreude (neben den ganzen Widrigkeiten) ausgelöst hat. Trockene Wissenschaft kann das Mensch sein nicht ausblenden. Was verstehen Wissenschaftler schon von Gefühlen? 😉

Haithabus Ende wurde, nach 300 jährigem Bestehen, 1050 eingeläutet. Der norwegische König Harald der Harte griff das Tor zur Welt an, von dem es sich nie wieder erholte. Nach der slawischen Plünderung 1066 erlosch das Licht der Stadt endgültig.

Über den Angriff verfasste ein norwegischer Skalde König Haralds den folgenden Gesang:

Verbrannt wurde von einem Ende zum anderen ganz Haithabu im Zorn,
eine vortreffliche Tat, meine ich, die Sven schmerzen wird.
Hoch schlug die Lohe aus den Häusern,
als ich in der Nacht vor Tagesgrauen auf dem Arm der Burg stand.


Den Rest der Urlaubzeit verbrachten wir selig am Wasser: mit Freunden und Familie – mit der Ostsee im Gepäck tanz mein Herz bis zur Spitze jedes Glücksgefühls.

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